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Gedanken zur Zeit „Soviel du brauchst“

Im Mai ist Kirchentag. Die „Überschrift“ dafür, die Losung, stammt aus der Geschichte, als das Volk Israel auf dem Weg aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit einen langen Weg durch die Wüste gehen musste. Dabei wurde viel gemeckert, aus der Ferne sieht Unfreiheit weniger schlimm aus, wenn sie mit Fleischtöpfen verbunden ist. Gott aber blieb geduldig und gab seinem Volk, was es brauchte: Wachteln und Manna, Himmelsbrot. Und sofort wurden einige gierig: Da muss man doch Vorräte sammeln, wer weiß, was morgen ist… Aber: jeder bekam, soviel er brauchte. Alles darüber hinaus war am nächsten Morgen verdorben.

Soviel du brauchst – ist eine Zusage: du musst keine Angst haben, es reicht für dich und alle anderen auch. Nimm dir, was nötig ist. Das weckt bei mir Erinnerungen an das Vertrauen der Kindheit: Wenn ich Hunger habe, sorgt jemand für mich, wenn ich mir wehgetan habe auch.

Soviel du brauchst – ist aber auch eine Anfrage: Nimm nur so viel du brauchst. Was ist das eigentlich? Vor einigen Jahren hat ein Journalist den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank gefragt, warum er als reicher Mann überhaupt 14 Millionen verdienen müsse, warum es nicht auch sieben oder neun täten. Er brauche das Geld gar nicht, hat er geantwortet, er lebe bescheiden, aber die ehrgeizigen jungen Leute in der Bank verlören ihre Motivation und den Respekt vor ihm, wenn er nicht nähme, was möglich sei.

Soviel du brauchst = alles was geht? Auf Kosten anderer? Ein Leben In Freiheit, wie sie Gott für sein Volk gemeint hat, sieht anders aus. In dieser Freiheit sollen „Gerechtigkeit und Friede sich küssen“, sie kann nur gelingen, wenn sie auch für alle möglich ist. So aufeinander achtzugeben, dass auch die Schwächsten gesehen werden und haben, was sie brauchen, das hat uns auch Jesus vorgelebt.

Und wenn ich mir überlege, was ich wirklich brauche, ist das erstaunlich wenig. Das habe ich z.B. auf meinen Reisen nach Taizé erlebt: Tausende junge Menschen aus aller Welt, die mit einem sehr einfachen Essen auskommen, einziges Geschirr: ein Teller, ein Löffel, ein Schälchen und ein Tablett, für den Durst ein Wasserhahn… eine große Kirche mit Teppichboden und sonst nichts. Zum Wohnen ein Zelt, ein Schlafsack, eine Isomatte. Klar ist man hinterher auch dankbar für mehr Privatsphäre und ein Bett, aber wirklich vermisst habe ich in diesen Wochen nichts. Wie ist das, wenn Sie Urlaub machen?

Worauf es in diesen Wochen vor allem ankommt, was wir wirklich brauchen, ist eine intakte Gemeinschaft. Auch hier zuhause. Wenn die wirklich funktioniert, wenn alle etwas dazu beitragen, offen füreinander und auch für die Belange der Schwächsten sind, dann ist der Rest, den man darüber hinaus noch braucht, erstaunlich klein.

Eine intakte, bereichernde Gemeinschaft – das wünsche ich mir für den Kirchentag, für die nächste Reise nach Taizé, aber auch für unser Dorf. An vielen Stellen gelingt das schon, deshalb lebe ich seit mehr als 20 Jahren gerne hier in Holm, aber es kann noch besser werden: Wenn sich noch mehr Menschen für die Gemeinschaft engagieren oder zumindest mit ihrer Stimme bei der Wahl den Engagierten den Auftrag erteilen, diese Gemeinschaft zu gestalten.

Deshalb werde ich mich am 26. Mai über beides freuen: eine zahlreiche und gute Gemeinschaft im Gottesdienst und eine hohe Wahlbeteiligung... Sehen wir uns?

Susanne Schmidtpott